„Ich suche keine Brücken, ich erbaue sie gleich selbst an Ort und Stelle...“

Bernd Ruf macht es einem nicht leicht.

Die Vielseitigkeit seiner Tätigkeiten und Wirkungskreise sowie seiner Projekte ist im wahrsten Sinne unfassbar. Besonders, da diese oft scheinbare Gegensätze beinhalten. So hat er im Rahmen der Händel-Festspiele Halle eine Programmreihe entwickelt, die unter dem Namen "Bridges to the classics" die Werke Händels auf unkonventionelle Art und Weise mit Rock- und Popmusik zusammenführt. Oder er verbindet, gemeinsam mit dem mongolischen Ensemble „Börte“, abendländische mit fernöstlicher Kultur zu einer exotischen Symphonie.

Bernd Ruf baut Brücken.

Nicht nur zwischen den Musikstilen, auch innerhalb der vielen Facetten, die seine künstlerische Persönlichkeit in sich vereint. Denn er ist Dirigent, Klarinettist, Dozent und Produzent. Er dirigiert bei klassischen Konzerten (als Gastdirigent bei u.a. den Stuttgarter Philharmonikern, Berliner Symphonikern und dem Stuttgarter Kammerorchester) , bei Musicals (etwa "Tanz der Vampire", "König der Löwen") und Crossover-Projekten. Bei Letzteren wirkt teilweise auch das seit 20 Jahren bestehende und prämierte Musikensemble Tango Five mit (z.B. "Comedian Symphony)", bei welchem Bernd Ruf neben Klarinette noch eine ganze Reihe weiterer Instrumente spielt und zudem singt. Auch thematische Konzepte für seine musikalischen Grenzüberschreitungen reizen Bernd Ruf immer wieder, so ist etwa die "Magic Symphony" mit den Zauberern Topas und Roxanne entstanden. In seiner Eigenschaft als Produzent nahm er mit dem German Pops und European Art Orchestra unter anderem "The Clarinetist / Volume One" auf, ein Album, für das er – wiederum als Dirigent - mit einer Grammy-Nominierung ausgezeichnet wurde. Und Bernd Ruf baut unablässig weiter seine Brücken: Ganz aktuell wird er zum Wintersemester 2004 an der Musikhochschule in Lübeck eine Professur im Bereich Popularmusik, Jazz & Weltmusik antreten und somit seine praktischen Erfahrungen auch theoretisch weitergeben.

Bernd Ruf macht es vor allem sich selbst nicht leicht..

In all seinen Projekten versucht er konsequent, ungewöhnliche Ideen mit höchstem Anspruch und auf höchstem Niveau umzusetzen. Hierbei hilft ihm neben seiner langjährigen Erfahrung als Musiker auch seine fundierte Hochschulausbildung, die bezeichnenderweise sowohl Klassik als auch Jazz und Popularmusik sowie das Studium des Kapellmeisters umfasst. Das Verlangen, über die Grenzen hinauszublicken und zu agieren, zieht sich konsequent durch seine Biografie. Vielleicht, weil er einer Generation angehört, die stärker als alle Generationen vorher gleichermaßen mit Klassik, Rock- und Popmusik aufgewachsen ist, und deren musikalische Offenheit von dieser Diversität geprägt wurde. Durch seine beständige Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Musikgenres haftet seinen grenzüberschreitenden Programmen sowie seiner ganzen Person eine Authentizität an, die zu überzeugen weiß, und die auch neue Hörer zieht. Zumal Bernd Ruf für seine Projekte immer prominente nationale und internationale Mitstreiter findet: So war er etwa schon mit dem irischen Rockbarden Chris de Burgh auf Tour oder arbeitete mit Barbara Dennerlein zusammen, gleichwohl ist er mit dem German Pops Orchestra auf dem aktuellen Album der Söhne Mannheims ("Noiz") vertreten. Im vergangenen Jahr war es bei den Händel-Festspielen Chris Thompson (Manfred Mann’s Earth Band), mit dem er die Zuschauer in der ausverkauften Galgenbergschlucht begeisterte – dieses Jahr wird kein Geringerer als Jon Lord (Deep Purple) das Konzert musikalisch unterstützen. Und im Spätsommer wird Schalke beben: Bernd Ruf dirigiert Pur, die seit vielen Jahren erfolgreichste deutsche Rockband, zusammen mit klassischem Orchester (geplant ist hierzu auch eine DVD-Produktion).

Bernd Ruf macht es einem also doch leicht.
Er baut Brücken. Wir müssen sie nur noch betreten.

Andrea Jenewein – freie Journalistin, Juni 2004